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China - Xinjiang - Uiguristan

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29. August 2011 – 14. September 2011

Irkeshtam-Pass - Lanzhou

Provinz Xinjiang: ca. 229km

Total China ca. 229km

Nach dem Kirgisischen Zoll kommt zuerst ein kleines Zollhäuschen der Chinesen. Der Chinese will 2 $ pro Person. "For protection", lautet die Erklährung. Bis zum chinesischen Zoll sind es ein paar km, damit wir im Niemandsland Schutz erhalten müssen wir die 2$ bezahlen. Tims Erklährung, dass er in der Mitte der Gruppe fahre und so gut geschützt sei hilft nichts. Auch er muss bezahlen. An der Grenze müssen wir vor einem Schalter kurz warten. Nur wir fünf sind dort und wir schwatzen miteinander. Ein Beamte fordert uns auf, uns in eine Reihe zu stellen. Wir können nur lachen. Über die Kunst des Anstehens in China hört man vieles. Aber noch nie habe ich gehört, das die Chinesen in einer Schlange stehen. Da bin ich ja gespannt!

 

Das chinesische Dorf an der Grenze ist mehr ein Geisterdorf. Wir finden ein Restaurant. Warten aber mehr als eine Stunde auf die Nudeln. Jeder Chinese wird vor uns bedient. Mehrmals machen wir Besuche in der Küche und fragen nach unserem Essen. Endlich ist es da und wir schlagen zu. Ich habe grosse mühe, nein nicht mit den "Stäbli" zu essen, es ist "SCHAAAAAARF". Die Aufgesprungenen Lippen und der Mund brennen, die Augen tränen und der Schweiss läuft. Bereits befürchte ich, dass ich in China öfters hungern werde. Da der Hunger gross ist kämpfe ich mich durch.... Als wir zum zweiten mal Tee bestellen will er uns zuerst keinen geben, dann stellt er uns eine Kanne mit irgend einer Brühe auf den Tisch. Wir entscheiden uns, dass dies das Nudelwasser sein muss. Dies ist eine schöne Begrüssung in China. (Spähter stellen wir fest, dass die Chinesen diese Suppe trinken.)

Die Strasse nach der Grenze wird neu Alsphaltiert, so müssen wir immer wieder auf holprige Ersatzstrassen ausweichen. Es geht ständig auf und ab, dabei dachten wir, wir können nach Kashgar lockere 2400 höhen Meter runter fahren (Grenze 3700 m.ü.M. - Kashgar 1300 m.ü.M.). Für die letzte Nacht vor Kashgar finden wir einen tollen Campingplatz. Jedoch bin ich am nächsten Morgen nicht mehr der selben Meinung. Es hat in der Nacht angefangen stark zu regnen. Unter meinem Zelt fliesst jetzt ein kleiner Bach. Natürlich ist das Wasser von unten in mein Zelt gekommen. So nenne ich es nun swimming pool. Glücklicherweise ist mein Schlafsack trocken geblieben. Wir sind froh, dass wir im Regen keine Piste mehr fahren müssen. Auf Asphalt geht es bis Kashgar. An einer Strassenkreuzung in Wuqia fahre ich durch eine Pfütze, diese erweisst sich jedoch als grosses Loch. So bleibe ich stecken und mein forderrad hat Platten. Ist aber halb so wild, gleich nebenan befindet sich eine Autopneu Werkstatt. So wähle ich den bequemen Weg, stehe im Trockenen und schaue zu, wie mein Schlauch geflickt wird.

Nach ein paar weiteren Platten im Team suchen und finden wir in Kashgar das "Old Town Youst Hostel". Viele Räder stehen bereits im Innenhof. Wir erkennen ein paar bekannte Gesichter und nisten uns ein. Bald erfahren wir, dass das Hostel auch Hotel California genannt wird. Wer einmal hier ist, kommt nicht mehr weg. Die zwei Engländer verlassen das Hostels erst gar nicht. Sie bepacken ihre Räder bis in den Nachmittag und bleiben dann gleich noch eine Nacht. Matthias aus Deutschland versucht die Flucht nach Pakistan. Kommt aber einige Stunden spähter wegen starkem Regen wieder zurück. Das nächste mal kommt er erst nach zwei Tagen wieder zurück. Der chinesische Kontrollposten lässt ihn ohne Pakistanvisa nicht durch (er erhält keine weitere Erklährungen). Kim, Nico und weitere schaffen es mit dem Bus bis zur Grenze von Pakistan. Werden aber dort zurück gewiesen. Irgendwie finden wir dann heraus, dass an der Grenze das Papier zum schreiben von Visas ausgegangen ist und sie erst neues in Islamabad besorgen müssen. Dies dauert natürlich ein paar Tage. Chris aus England ist Rekordhalter. Er hat in Kashgar eine Zahnbehandlung angefangen, ist dann nach Pakistan und wieder zurück um die Zahnbehandlung abzuschliessen. Danach hat er ein Busticket nach Urumqi gekauft. Ca. eine Stunde nach der Verabschiedung kreuzt er wieder im Hostel auf. Alle Uiguren und Chinesen reisen im Moment mit viel Gepäck, so konnte er sein Fahrrad nicht in den Bus laden. Wir gehen dann am Montag gemeinsam ein Zugticket nach Langzhou kaufen. Da bis am 11.09.11 alle Plätze reserviert sind, müssen wir weitere 6 Tage warten. Chris war dann insgesammt 50 Tage in Kashgar. (Mehr über Chris hier)

Mich kümmert es wenig, für mich ist es das erste mal, dass ich längere Zeit an einem Ort bleibe ohne ein Visa oder sonst was zu organisieren. Dies ist wie Ferien. In der Altstadt von Kashgar kann man sich auch gut verweilen. Überall wird auf der Strasse Essen angeboten. Feigen, Trauben, Gemüse, frisches Brot in verschiedenen Varianten, viele Fleischgerichte und Nudeln. Auf dem Nachtmarkt gibt es die unglaublichsten Teile der Tiere zu essen, Schafs- und Hühnerköpfe, Zungen, Füsse, Mägen, Därme und viel undefinierbares. In der Altstadt halten sich vor allem die Uiguren auf. Diese sind Moslem und sprechen Uigurisch. Leider werden aber täglich alte Gebäude abgerissen um neue hin zu klotzen. So fragt man sich, wie lange der urspüngliche Charakter der Altstadt wohl noch erhalten bleibt. Kashgar hat eine lokale Zeit. In ganz China gibt es offiziell nur eine Zeitzone, die Pekingzeit. Da Kashgar aber ca. 5000km westlich von Peking liegt, stimmt diese Zeit nicht mit dem Tageslicht überein. So ist die Kashgar Zeit zwei Stunden im Rückstand. Bei jeder Zeitangabe muss man zuerst fragen welche Zeit gemeint ist. Die ersten paar Tage lebe ich Zeitlos, dies ist mir zu kompliziert. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran.

Die Uiguren tragen spezielle grüne Hüte und die Frauen meist eine Kopfbedeckung, welche aber mehr wie Schmuck aussieht. Manche tragen jedoch ein braunes gstricktes Tuch über den ganzen Kopf, sehr komisch. Sehen eher aus wie Gespenster. Wahrscheinlich sehen sie durch die Maschen durch.

Die Meisten bewohner der Stadt bewegen sich mit Elektrroller. Oft sitzen ganze Familien auf einem Roller.

Am Sonntag besuchen wir den bekannten Viehmarkt von Kashgar. Da lässt man am Besten die Bilder sprechen. Kamele hatte es leider keine.

Kashgar ist ein guter Ort um sich nach der Abgeschiedenheit auf dem Pamirhigway an eine Grossstadt zu gewöhnen und sich den Magen voll zu schlagen.

Die Leute unserer fünfer Gruppe verlassen das Hotel einer nach dem anderen (ohne zurück zu kehren). Am Montag fährt Ian Richtung Süden los... Tim und Tine verlassen uns dann am Mittwoch. Sie wollten eigentlich den Bus nehmen, haben den Plan aber wegen zu vielen Reisenden mit zu viel Gepäck aufgegeben. So fahren sie mit dem Fahrrad Richtung Urumqi. Der Abschied fählt mir schwer aber Belgien ist ja nicht so weit... Chris und ich versenden die Velos am Samstag mit dem "China Railway Express". Wir Starten am Sonntag. Irgendwie schaffen wir es die Zeit durcheinander zu bringen und werden plötzlich in aller Eile von den lieben Hostel Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass unser Zug in 20 min losfährt. Die letzten Sachen werden in die Taschen geschmissen, während einige bereits unsere Taschen raus ins Taxi bringen. Nebenbei bezahle ich die Übernachtungen. Zum tschüss sagen haben wir ca. 30 Sekunden Zeit. Der Taxifahrer gibt Gas. 10 Minuten haben wir um den 10 km entfernten Bahnhof zu erreichen und die Sicherheitskontrollen am Bahnhof zu passieren. Der Taxifahrer riskiert sein Ausweiss, überholt links und rechts. Mir ist angst und bange. Nicht wegen dem Zug, nein wegen der Taxifahrt. Am Bahnhof angekommen, schaffen wir es wie durch ein Wunder alle Taschen auf einmal zu tragen. Ticketkontrolle, Passkontrolle, Gepäck scaanen. Dann aufs Peron, die Tür zum Peron wird hinter uns geschlossen. Das Personal ruft uns ermunternd zu. (aber keiner würde mir eine der siebe Taschen abnehmen die ich trage....). Nun noch den richtigen Wagen suchen, alle Taschen reinbuxieren und Geschafft. Geschafft sind wir, schwitzen wie blöde. Ich habe überall blaue Flecken vom Gepäck. Aber wir habens Geschafft. Sind geflüchtet vom Hotel California. Spähter erfahren wir, der Hostel Besitzer uns mit einem zweiten Taxi zum Bahnhof gefolgt ist, um zu sehen, ob wir es schaffen. Vielleicht ist er uns auch gefolgt, weil Chris den Schliessfach-Schlüssel noch im Hosensack hat... Das freundlichste Hostelpersonal, das ich je getroffen habe und sehr viele interessante Reisende, unbedingt empfehlenswert.

Jeremie verlässt China so bald wie möglich Richtung Pakistan und von dort fährt er nach Indien. Alles weitere ist noch offen.

In Urumqi kommen wir 25 h spähter an. Nette Leute aus dem Zug helfen uns die Taschen zu den Taxis zu tragen! Wir sind sehr froh. Die Taxifahrer verlangen zwischen 40 und 100 Yuan für die Fahrt zum Hotel. Das können wir fast nicht Glauben. In Kashgar haben wir für die dreifache Strecke 12 Yuan bezahlt. So bleiben wir hart und finden nach einer Stunde ein Taxi für 30 Yuan.

Die Leute im Hostel sind nicht halb so freundlich wie die in Kashgar, wir haben "Heimweh". Chris findet jemand, der nach Kashgar geht und den Schlüssel mitnehmen kann.

Am nächsten Mittag geht es wieder zum Bahnhof. Diesmal hat das Taxi ein Taxometer, 12 Yuan! Wieder alle taschen Treppen hoch und runter schleppen. Wir vermissen die Fahrräder. Im Zug nach Lanzhou sind wir 20h. Der Zug ist weniger praktisch. Es hat drei Bette übereinander und nicht wie im letzten 2. Wenn man wie wir, das Bett ganz oben hat, kann mann nirgends sitzen. Die Idee das oberste Bett zu nehmen war, wenn die Chinesen spucken treffen sie uns nicht. Im Zug ist aber Spuckverbot. So Spucken sie nur im Klo oder in den Abfalleimer. Das Geräusch vor dem Spucken höhrt man so trotzdem noch! Die Frauen unter uns knabern das Zeug welches ich in Läden gesehen habe und mir nicht vorstellen konnte, dass dies jemand isst. Vakumierte, gekochte Hühnerfüsse, Wachteleier, Erdnüsse inkl. Schale... Alles kann man Vakumiert kaufen.

Die Strecke, welche wir im Zug zurücklegen ist ca. so weit wie von Herzogenbuchsee bis nach Ankara (3500km).

Fazit China-Xinjiang:

Die Uiguren geben mir das Gefühl noch nicht in China zu sein. Sie haben eine eigene Schrift und eigene Sprache und ähneln im Aussehen eher den Usbeken. Nach Zentralasien ist Kashgar ein Paradis was das Essen anbelangt. Die Motorroller sausen einem lautlos um die Ohren. Lauter sind die Geräusche, welche die Chinesen verursachen, bevor sie auf den Boden spucken. Daran werde ich mich wohl nicht gewöhnen.

Mehr auf Englisch auf der Homepage von Chris


 

Gefahrene Kilometer

10131km

nachgeführt am: 24.10.2011

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